LICHTE MOMENTE 2016

FILIPPO BERTA und JAN TICHY

19. November 2016 – 8. Januar 2017

Künstler*innen

Filippo Berta (Italien)

Filippo Berta arbeitet zumeist performativ und untersucht den Menschen (aber auch Tiere) in seinen Bewegungen und Aktionen. Auf diese Weise schafft er Metaphern, die das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft reflektieren sowie Spannungen, Widersprüche und Dualismen visualisieren. Berta drückt sich in erster Linie durch performative Arbeiten aus, die von Gruppen ausgeführt werden, mit Personen, mit denen sich der Betrachter identifizieren kann. Jeder fühlt sich angesprochen, auf jeweils unterschiedliche Art und Weise. Die Arbeiten von Filippo Berta appellieren an den Einzelnen in der Gesellschaft und seine interpretativen Fähigkeiten. Die Protagonisten machen sich in der Masse zum Träger von Bedeutungen und Unterschieden. Filippo Berta inszeniert oft ausschnitthafte Balanceakte. Seine kurzen Performances bewerten unscheinbare Gesten, betonen unbedeutende Unterschiede, Spannungen, Widersprüche und Dualismen. Auf der Suche nach der idealen Vollkommenheit kommen Aspekte an die Oberfläche, die diese Suche, die die ständige Möglichkeit des Scheiterns und die Zerbrechlichkeit des Vergänglichen berühren, unterstreichen. Während Jan Tichy Orte, Lebensräume mit der Kamera untersucht und neu definiert, beschäftigt sich Filippo Berta mit dem beweglichen Wesen des Menschen.

Jan Tichy (USA)

Jan Tichy beschäftigt sich mit Lebensräumen, die sich im Wandel befinden. Er arbeitet konzeptuell an Schnittstellen von Video, Skulptur, Architektur, Sound und Fotografie. Durch fixierte Kameraeinstellungen entstehen Standbilder, die den Eindruck erwecken, als hätte man ihnen die Zeit zurückgegeben.

Licht ist der gemeinsame Nenner, der Jan Tichy und „Lichte Momente“ verbindet. Tichy beschäftigt sich mit projiziertem Licht und Video im Innen- wie im Außenraum. In seinen ortsbezogenen Videos bringt er nicht nur Architektur, Stadt und Licht experimentell in Einklang, sondern hält auch an vorgefundenen Situationen fest, die ihn im Alltag inspiriert haben. Ein Ort, eine Situation, ein Moment wird von ihm aufgenommen: eine Publikumsmenge, eine öffentliche Skulptur, eine Brücke, ein Kinderpausenhof... poetisch und klar dargestellt. So scheint es, dass er mit einem Minimum an Aufwand die Stimmung und Ruhe des Moments in seinen Videos einzufangen schafft.

Jan Tichy wurde 1974 in Prag geboren, studierte Kunst in Israel und erhielt seinen Master of Fine Arts an der School of the Art Institute of Chicago, wo er derzeit Photography und Art & Technology Studies lehrt. Wichtige Einzelausstellungen: MCA Chicago, Santa Barbara Museum of Art, Wadsworth Atheneum Museum of Art, Museum of Contemporary Photography in Chicago, Chicago Cultural Center, Tel Aviv Museum of Art, CCA Tel Aviv. Jan Tichys Werke sind in bedeutenden internationalen Sammlungen vertreten: Museum of Modern Art in New York, Israel Museum in Jerusalem, Magasin Stockholm Kunsthall, Indianapolis Museum of Art. Sein Video „Things To Come (1936–2012)“ wurde im Begleitprogramm der László Moholy-Nagy-Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum gezeigt. Zudem war es in der Galerie Kornfeld in Berlin zu sehen. Der Künstler engagiert sich in unterschiedlichen kommunalen Projekten in den USA; eines davon ist „Expanded Moments“, das die Grundlage des Konzepts von „Changing Osnabrück“ liefert.

„Changing Chicago (Sox)“, 2012, 5 Min.

Eine faszinierend vielfältige Einheit, zugleich statisch und beweglich... Ein großes Ereignis bringt viele Besucher zusammen. Um welches Ereignis handelt es sich?

„Bridge 2006", 2006, 4:30 Min.

Mit einem Minimum an Aufwand gelingt es Jan Tichy, die Stimmung und Ruhe des Moments in seinen Videos einzufangen. Was ist eine Brücke?

"Recess", 2009, 10 Min.

Die zehn Minuten Pause auf einem amerikanischen Schulhof, die Jan Tichy nach seinem Prinzip „expanded moments“ eingefangen hat, erweisen sich nicht unbedingt als eine Pause im wahren Sinn des Wortes…

Changing Osnabrück, (Video Ilaria Dall´Olio)

Junge Teilnehmer*innen des Projektes „Changing Osnabrück“ zeigen einen individuellen und sehr persönlichen Blick auf die Stadt Osnabrück.

Changing Osnabrück

„Sucht Euch einen visuell interessanten Ort. Beobachtet und überlegt, was dieser Ort für Euch bedeutet. Sucht einen geeigneten Bildausschnitt. Fixiert eure Kamera auf einem Stativ oder einem festen Untergrund und filmt zwei Minuten lang ohne die Kamera zu bewegen, ohne zu sprechen."

Im Rahmen dieses minimalistischen Konzepts von Jan Tichy waren junge Filmende im Alter zwischen 12 und 27 Jahren aufgerufen, interessante urbane Raumsituationen in Osnabrück ausfindig zu machen und sie in einem „expanded moment“ (ausgedehnten Moment) filmisch festzuhalten.

Die eingesendeten Videos sind auf Facebook unter „Changing Osnabrück“ zu sehen.

Unter dem Titel „Changing Osnabrück“ wird eine Auswahl der Filme im Rahmen von „Lichte Momente“ gezeigt und an der Außenfassade des Felix-Nussbaum-Hauses projiziert. Auch nach der Eröffnung können Videos auf Facebook hochgeladen werden.

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